Manchmal wenn ich Pioniere in einem bestimmten Bereich der alternativen Kultur treffe, bekomme ich das Gefühl, dass sie, selbst wenn sie ihre Arbeit im kleinen Maßstab verrichten – vielleicht in einem kleinen Ökodorf, in einem abgelegenen Gefängnis, in einer einzelnen Gemeinschaft mitten in einem Kriegsgebiet oder in einem Bandenterritorium – diese Arbeit im Namen von uns allen tun, und dass ihre eigenen Erfahrungen eine Vorlage erzeugen, nach der sich der Rest von uns richten kann. Dadurch ist es uns möglich in kurzer Zeit das zu erreichen, was sie Jahrzehnte der Mühen und des Lernens gekostet hat. Wenn ich zum Beispiel sehe, wie es meine Freundin R. angesichts fast unmöglicher Erfolgschancen geschafft hat, so umfassend von ihren Missbrauchserfahrungen als Kind geheilt zu werden, denke ich: “Wenn es ihr gelungen ist, das zu überwinden, dann ist es für die Unzähligen mit ähnlichen Erfahrungen auch möglich; und ihre Heilung ebnet den Weg für sie.”

Manchmal gehe ich noch einen Schritt weiter. Einmal auf einem Männerseminar zeigte uns einer der Teilnehmer Verbrennungsnarben auf seinem Penis, die ihm seine Stiefeltern als Bestrafung zugefügt hatten, als er fünf Jahre alt war. Der Mann durchlebte einen beeindruckenden Prozess der Befreiung und Vergebung. Mit einem Mal verstand ich, dass dieser Mann hier auf Erden war, um diese Wunde erlitten zu haben und davon geheilt zu werden – als ein weltverändernder Dienst an uns allen. Ich sagt zu ihm: “J., wenn du in deinem ganzen Leben nur das eine fertig bringst von dieser Verletzung geheilt zu werden, dann wirst du der Welt einen großen Dienst erwiesen haben.” Wie sehr das stimmte, spürten alle Anwesenden.

Durchdrungen von Separation bezweifelt der rationale Verstand, dass seine Heilung wirklich etwas bewirken könnte. Er sagt, nur wenn sie etwas wäre, das irgendwie öffentlich gemacht würde, wenn die zum Beispiel Stoff für eine motivierende Geschichte lieferte, könnte sie eine Wirkung auf die Welt über den direkten Einflussbereich dieses Mannes hinaus erzielen. Ich stelle die Macht der Geschichten nicht in Abrede. Vielleicht hat die Heilung von J. einen Einfluss dadurch, dass ich sie hier erzähle. Aber Geschichten sind nur eine der möglichen Erscheinungsformen eines allgemeineren Phänomens. Einer der Wege, auf denen Ihr Projekt, Ihre individuelle Heilung, oder Ihre soziale Erfindung die Welt verändern kann, ist der über Geschichten. Aber selbst wenn kein Mensch je davon erfahren wird, selbst wenn es für keinen Menschen auf Erden sichtbar ist, wird es keine geringere Wirkung haben.

Das Prinzip, auf das ich mich hier beziehe, nennt man “morphische Resonanz”, ein Begriff, den der Biologe Rupert Sheldrake geprägt hat. Ihm zufolge ist es eine Grundeigenschaft der Natur, dass Formen und Muster ansteckend sind: Wenn etwas einmal irgendwo passiert ist, bewirkt das, dass die gleiche Sache woanders auch passiert. Eines seiner liebsten Beispiele sind bestimmte Substanzen wie Turanose oder Xylitol, die viele Jahre lang verlässlich flüssig waren, bis sie plötzlich auf der ganzen Welt begannen auszukristallisieren. Chemiker brauchen manchmal Jahre, um kristalline Formen bestimmter Substanzen herzustellen; wenn sie es einmal geschafft haben, ist es von da an einfach – so, als hätte die Substanz gelernt, wie das geht.

Sheldrake diskutiert die Möglichkeit, dass dieses Phänomen durch Impfpartikel erklärt werden könnte, dass winzig kleine Kristallteilchen durch den Wind verblasen oder von besuchenden Chemikern eingeschleppt worden sein könnten, die dann ihren Weg in die übersättigte Lösung gefunden und die Kristallisation in Gang gebracht haben könnten. Also, sagt er, testen wir die Theorie der morphischen Resonanz, indem wir eine Probe in einem staubfreien Labor unter Quarantäne stellen. Wenn sich die Kristalle dort immer noch leichter bilden, sagt er, beweise das die Theorie der mophischen Resonanz.

Ich stimme Sheldrake zu, dass gewisse Aspekte des Rätsels der Kristallisation gegen die Erklärung mit den Impfpartikeln sprechen, und dass sein Experiment sie widerlegen würde. Ich stimme ihm aber nicht zu, dass die Erklärung durch Impfpartikel, wenn sie wahr ist, das morphische Feld als Erklärung entkräftet. Im Gegenteil: Das allgemeine Prinzip der morphischen Resonanz gilt, egal ob ihr Überträgermedium Kristallstaub oder etwas anderes ist. Wenn das Quarantäne-Experiment funktioniert, wird man vielleicht verlangen, dass es auch elektromagnetisch abgeschirmt werden soll, weil der “Keim” auch eine elektromagnetische Schwingung sein könnte. Und vielleicht gibt es auch noch Einflüsse, von denen wir nicht einmal wissen. Sheldrake will offenbar die morphische Resonanz von jeder Art direkter Verursachung abgrenzen, aber vielleicht sind all diese ursächlichen Einflüsse keine Alternativen zur Induktion durch morphische Felder sondern einfach Beispiele dafür, wie ein solches Feld wirken kann? Hier eröffnet sich uns die Möglichkeit, die Vorstellung von Materie zu erweitern, bis sie auch Eigenschaften von Geist umfasst, statt dass wir uns auf etwas nicht-Materielles berufen, das der toten materiellen Welt Intelligenz verleiht.

Auf ähnliche Weise ist es auch gut möglich, dass unsere Veränderungen auf persönlicher oder Beziehungs- oder lokaler Ebene auch eine globale Bedeutung erlangen, indem andere davon hören. Es kann auch ein Welleneffekt sein, wodurch Menschen, die sich verändert haben, die Veränderung anderer Menschen bewirken. Das sind beides Mechanismen von Übertragung, von Ursache und Wirkung, die unser von der Separation geprägter Verstand akzeptieren kann. Was uns schwer fällt zu akzeptieren ist aber, dass die Auswirkungen unserer Handlungen nicht unbedingt auf diese Mechanismen angewiesen sein müssen, weil sie eben nur eine der Möglichkeiten für den Geltungsbereich eines allgemeinen metaphysischen Gesetzes sind. Selbst wenn nie jemand von Ihrer mitfühlenden Handlung erfahren wird, selbst wenn der einzige sichtbare Zeuge ein sterbender Mensch ist, die Wirkung ist nicht geringer, als wenn jemand darüber einen Dokumentarfilm dreht.

Ich will damit nicht behaupten, wir sollten deswegen konventionelle Methoden unsere Arbeit bekannt zu machen ablehnen. Ich plädiere für eine Art Vertrauen in die Bedeutsamkeit von allem, was wir tun, selbst wenn wir uns die geheimnisvollen verschlungenen Pfade nicht vorstellen können, auf denen unsere Handlungen in der größeren Welt ankommen.

Gerade in den schönsten Handlungen liegt eine gewisse Sinnlosigkeit. Die Handlungen, die die Welt am tiefgreifendsten verändern, kann das Denken der Separation nicht begreifen. Stellen Sie sich vor, Kalle Lason hätte begonnen seine Schwiegermutter mit dem Plan im Hinterkopf zu pflegen daraus eine große öffentliche Demonstration seiner Hingabe zu machen. Das hätte wie Heuchelei gewirkt. Dasselbe gilt auch für, sagen wir, friedensstiftende Projekte oder Ökodörfer, die zu früh ein selbstbewusstes Image von sich selbst als Vorbild produzieren. Bitte denken Sie nicht, dass Sie erst “ein Buch darüber schreiben müssen”, damit Ihre Erfahrungen eine große Wirkung haben.

Das Buch mag kommen, die Dokumentation über des Friedensprojekt mag entstehen, aber gewöhnlich braucht es erst eine gewisse Latenz, eine Zeit, in der man etwas ganz um seinetwillen tut, eine Zeit, in der die Aufmerksamkeit nach innen auf das Ziel und nicht auf das “Meta-“Ziel gerichtet ist. Von dort kommt die Magie. Von dort aus fließen die Synchronizitäten; man kann das nicht erzwingen, man kann sich nur einlassen auf ein größeres Geschehen, das ein eigenes Bewusstsein zu haben scheint. Hier sind Sie unvermutet am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Und Sie reagieren und tun das, was gerade notwendig ist.

Können Sie glauben, dass es die Welt verändern kann, die Bettschüssel einer alten Frau zu wechseln? Nicht, wenn Sie es tun um die Welt zu verändern. Wenn Sie es tun, weil es notwendig ist, dass die Bettschüssel gewechselt wird, dann schon.

Vor vielen Jahren war Patsy, meine damalige Frau, eine Immobilienhändlerin. Die Mutter eines ihrer Klienten, Mrs. K., war todkrank und lebte in einem baufälligen Haus außerhalb der Stadt. Eines Tages fuhr Patsy zu dem Haus um einige Messungen vorzunehmen und fand Mrs. K. am Boden liegend in ihrem eigenen Kot und Urin, unfähig aufzustehen. Patsy brauchte eine Stunde, um sie sauber zu machen und kochte ihr eine Eierstichsuppe, die sie für ihr eigenes Mittagessen gekauft hatte – die einzige nahrhafte Mahlzeit, die Mrs. K. seit langem gegessen hatte, weil ihr Sohn zwei Jobs hatte und eine Stunde entfernt wohnte. Mrs. K. starb bald danach; einen Tag später stürzte das Haus in sich zusammen, so als wäre es von den Gewohnheiten und Erinnerungen von Mrs. K. zusammengehalten worden.

In dem Moment hätte Patsy nie daran gedacht, dass diese urmenschliche Reaktion auf eine Frau in Not die Welt verändern würde oder könnte. Nie im Traum wäre ihr das eingefallen, und das hätte es auch nicht dürfen. Ihre Entscheidung zu helfen war eine Wahl zwischen Mitgefühl und den Anforderungen ihres dicht gedrängten Terminkalenders. Ein Teil ihrer Vernunft schwatzte: “Ruf einfach die Polizei, du wirst deine anderen Termine verpassen, das ist nicht deine Verantwortung, was macht es schon…” Aber auf einer anderen Ebene wusste sie, dass es etwas ausmachte. So viele Stimmen beeinflussen uns, wollen, dass wir die Liebe vergessen, die Menschlichkeit vergessen, dass wir das reale Jetzt für etwas opfern, das zweckmäßiger scheint. Hierin liegt die Medizin gegen die Verzweiflung: Entledigen wir uns unserer Illusionen von Zweckmäßigkeit, das bringt uns wieder in Verbindung mit den Bedürfnissen im Hier und Jetzt und ermöglicht genau diese sinnlosen, unzweckmäßigen Handlungen, die Wunder bewirken.

Das Prinzip der morphischen Resonanz erklärt unser Gefühl, dass diese sinnlosen, unsichtbaren Handlungen irgendwie bedeutsam sind. Welches morphische Feld wird induziert, wenn man sich auf den Impuls des Mitgefühls einlässt? Welches morphische Feld wird induziert, wenn Sie Ihre Fähigkeiten so gut wie möglich einsetzen, um die im Moment gegebenen Bedürfnisse zu stillen? Stellen Sie sich vor unsere Politiker und Konzernchefs würden von diesem Feld erfasst und begännen aus Mitgefühl statt aus Berechnung zu handeln, aus Menschlichkeit statt aus abstrakten instrumentellen Motiven.

Ohne Zweifel werden einige von Ihnen jetzt denken: “Der Eisenstein meint offenbar, dass globale Erwärmung, Imperialismus, Rassismus und der ganze Rest an katastrophalen Problemen, die den Planeten bedrohen, sich magisch von selbst auflösen, wenn jeder sich nur darauf konzentriert, seine oder ihre Großmutter zu pflegen und im Park Müll aufzulesen. Er fördert eine gefährliche Passivität, eine Selbstzufriedenheit, die die Menschen glauben lässt, sie täten etwas Nützliches, während die Welt in Flammen steht.” Die letzten paar Kapitel sollten es eigentlich klar gemacht haben, dass es nicht das ist, was der Eisenstein denkt, aber nur um ganz sicher zu gehen, lassen Sie mich diese Kritik direkt beantworten; schließlich habe ich sie nicht nur von anderen gehört sondern sogar noch häufiger in meinem eigenen Kopf.

Erstens schließen die persönlichen, lokalen, unsichtbaren Taten, von denen ich schrieb, andere Handlungen nicht aus, zum Beispiel ein Buch zu schreiben oder einen Boykott zu organisieren. Auf den Ruf des Augenblicks zu hören und auf seine Richtigkeit zu vertrauen stärkt die gleiche Haltung gegenüber den größeren Dingen. Ich spreche von einer umfassenden Bewegung hinein in einen Zustand des Interbeing, von dem aus man in jeder Situation handelt. Das Universum ruft in unterschiedlichen Situationen nach verschiedenen Fähigkeiten in uns. Wenn es ein Ruf nach dem Kleinen und Persönlichen ist, dann nehmen wir ihn wahr, damit wir uns daran gewöhnen und ihn dann auch erkennen, wenn es ein Ruf nach dem Großen und Öffentlichen ist. Hören wir doch nicht mehr auf die Logik der Separation, die das Kleine und Persönliche entwerten würde.

So wie die Erscheinungsformen der morphischen Resonanz etwas ganz Banales sein können, sind vielleicht auch die Handlungen, die das Unmögliche möglich machen, jede für sich genommen ganz linear und pragmatisch. Es ist ihr Zusammenspiel, das jenseits unserer Einflussmöglichkeiten liegt. Viele von uns machten die Erfahrung, dass sie getrieben von der Dringlichkeit der globalen Lage versuchten, große Dinge zu leisten und damit nichts erreichten. Wir schreiben ein Buch, und keiner veröffentlicht es. Wir schreien die Wahrheit in unseren Blogs hinaus, und keiner bekommt es mit, außer denen, die sowieso schon bekehrt sind. Nur manchmal ist es anders. Wann und warum?

Als meine beiden älteren Kinder noch klein waren, lebte ich einige Jahre als nichtberufstätiger Vater und versuchte mitten in einer Welt aus Windeln und Lebensmitteln mein erstes Buch zu schreiben. Ich war oft furchtbar frustriert und quälte mich selbst mit Gedanken wie: “Ich habe der Welt so wichtige Dinge mitzuteilen, und jetzt stehe ich da und wechsle Windeln und koche den ganzen Tag.” Diese Gedanken lenkten mich von der naheliegenden Aufgabe ab und führten dazu, dass ich im Umgang mit meinen Kindern viel weniger präsent war. Ich verstand damals noch nicht, dass die Momente, in denen ich mich in meine Situation fügte, das Schreiben beiseite schob und mich ganz meinen Kindern widmete, einen genauso starken Einfluss auf das Universum hatten wie jedes Buch, das ich schreiben würde. Wir haben nicht immer den Blick dafür, aber alles hat seine karmischen Auswirkungen, oder wie es die Gläubigen im Westen sagen: Gott sieht alles.

Stellen Sie sich vor, Sie lägen am Sterbebett und blicken auf Ihr Leben zurück. Welche Momente werden Ihnen die wertvollsten sein? Für welche Entscheidungen werden Sie am dankbarsten sein? Für Patsy wird es viel eher sein, dass sie Mrs. K. sauber gemacht hat als irgendein Verkaufsabschluss, der ihr einmal gelungen war. Für mich wird es sein, dass ich Jimi und Matthew in ihren Spielzeugautos den Hügel hinauf geschoben habe, mehr als irgendeine öffentliche Leistung, die ich zu verzeichnen habe. Auf meinem Sterbebett werde ich für jede Entscheidung für Verbundenheit, Liebe und Hingabe dankbar sein.

Können Sie ein Universum gut heißen, in dem diese Erkenntnisse am Sterbebett falsch sind? Können Sie ein Universum gut heißen, in dem wir uns selbst hart machen müssen, um diese Dinge zu vernachlässigen, damit wir uns effizienter dem Weltrettungsgeschäft widmen können?

Sehen Sie auch, dass es genau diese Verhärtung zur Überwindung unserer eigenen Menschlichkeit war, die uns überhaupt erst in dieses Schlamassel gebracht hat?

Das ist die alte Geschichte. Bald sind wir damit fertig uns selbst bezwingen zu müssen, so wie wir bald damit fertig sein werden zu versuchen die Natur zu bezwingen. Zum Glück muss unser Eintreten in die Welt des Interbeing nicht mehr dem widersprechen, was uns die Wissenschaft über die Natur der Wirklichkeit erzählt. Wir können beginnen, uns für neue wissenschaftliche Paradigmen zu öffnen, die bestätigen, dass das Universum intelligent, sinnvoll und ganz ist. Genau deshalb, weil sie eine solche Vorstellung bestärken, reizen diese neuen Paradigmen den Zorn des alten Wächters. Deswegen nennt man sie “unwissenschaftlich” oder “pseudowissenschaftlich” – nicht weil sie auf einer schwächeren Evidenz oder auf inkohärentem Denken basieren, sondern weil sie die tiefen, unhinterfragten Annahmen verletzen, für die das Wort “wissenschaftlich” bisher stand.i

Seien wir einmal realistisch. Wenn alles Bewusstsein hat, dann ist unsere bisherige Vorstellung von dem was möglich, zweckmäßig und realistisch ist viel zu beschränkt. Wir stehen am Rande eines epochalen Durchbruchs, durch den wir mit dem Geist der Natur in Kontakt kommen. Was werden wir alles erreichen können, wenn wir erst damit in Einklang sind? Ich meine mit “realistisch sein” das Gegenteil der üblichen Bedeutung, die hieße, dass man das nicht-Messbare und Subjektive ignorieren sollte zugunsten dessen, was quantifiziert und kontrolliert werden kann. Diese Mentalität hat unermessliches menschliches Potential außer Reichweite gehalten: die Techniken der Wiedervereinigung, die vieles von dem umfassen, was wir heute “alternativ” oder “holistisch” nennen. Sie alle basieren auf die eine oder andere Art auf dem Prinzip des Interbeing.

Der Widerspruch zwischen den kleinen, persönlichen Taten aus Mitgefühl und den Maßnahmen zum Umweltschutz ist ein Trugschluss, eine Kontraposition, ein rhetorischer Trick, den Zyniker konstruieren, um die Wunde der Machtlosigkeit zum Ausdruck zu bringen. In Wahrheit wird sich die Gewohnheit aus Liebe zu handeln auf all unsere Beziehungen ausbreiten und sich Seite an Seite mit unseren Einsichten erweitern. Handlungen, die ökologische oder soziale Heilung bewirken, sind, solange sie ernst gemeint sind und nicht heimlich darauf abzielen, sich damit eine Identität aufzubauen oder sich selbst zu bestätigen, genauso sinnlos wie die kleinen persönlichen; sinnlos, weil sie bloß ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Was kann ein einzelner Mensch schon tun? Wie ich schon sagte, in der alten Geschichte ist die Verzweiflung unvermeidlich. Die Alternative, ein durch und durch verbundenes, intelligentes Universum verleiht diesen Taten Macht, aber um den Preis für die Aktivistin, dass es in gleichem Maß auch die kleinen Taten ermächtigt, die vielleicht überhaupt nicht in ihre Vorstellung von Weltrettung passen. Es macht ihre Aufklärungskampagne zum Klimawandel nicht mehr oder minder wichtig als das Wechseln von Bettschüsseln in einem Hospiz. Aber noch einmal: Würden Sie wirklich lieber in einer Welt leben, in der das nicht so ist?

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Kürzlich fragte mich ein Freund: “Wenn es wirklich wahr ist, dass wir in einem einzigartigen kritischen Augenblick der Weltgeschichte leben, in dem sich alle großen Wesenheiten versammelt haben für den entscheidenden Moment der Geburt der Menschheit, warum sehen wir dann nicht die großen Inkarnationen und Wundertäter der Vergangenheit?” Meine Antwort war, dass sie ja hier sind aber hinter den Kulissen arbeiten. Eine von ihnen könnte eine Krankenschwester sein, ein anderer ein Müllmann oder eine dritte eine Kindergartentante. Sie machen nichts Großartiges, nichts Öffentliches, nichts, das in unseren Augen so aussieht, als vollbringe es die Wunder, die notwendig sind, um die Welt zu retten. Unsere Augen täuschen uns. Diese Menschen halten die Welt zusammen. Sie halten den Raum offen, damit wir anderen hineintreten können. Es ist wichtig und erfordert all unseren Mut und unsere Begabungen, die großen öffentlichen Dinge zu tun, aber das verlangt nicht einmal ansatzweise ein solches Vertrauen und eine solche Verankerung im Interbeing wie die unsichtbaren, bescheidenen Taten von Menschen wie diesen Kindergärtnerinnen.

Was auch immer also Ihre Gründe sind große oder kleine Dinge zu tun, lassen Sie es nicht den drängenden ängstlichen Glauben sein, dass nur die großen, öffentlichen Dinge irgendeine Chance haben, die Massen zu beeinflussen und die Welt zu retten. Wie ich später in diesem Buch beschreiben werde, ist ein Teil der Revolution, die wir durchleben, die Veränderung der Art und Weise, wir wir unsere Entscheidungen treffen. Der alte Weg funktioniert gut um das Mögliche zu tun. Wenn wir eine Karte von A nach B haben, können wir einfach den Richtungsangaben folgen. Jetzt ist eine andere Zeit. Die berechenbaren Ergebnisse reichen nicht mehr aus. Wir brauchen Wunder. Wir erhaschten einen kurzen Blick auf unsere Bestimmung, die Bestimmung, von der die Hoffnung kündet, aber wir haben keine Ahnung, wie wir dorthin kommen. Wir gehen auf einem unsichtbaren Weg ohne Karte und können nicht erkennen, was hinter der nächsten Kurve liegt. Ich wünsche ich könnte sagen, dass uns die neue Geschichte eine Karte zur Verfügung stellt, aber das tut sie nicht. Sie kann aber immerhin den verwirrenden Nebel der Gewohnheiten und Ansichten lichten, die Überreste der alten Paradigmen, die unser inneres Orientierungssystem stören. Die Prinzipien des Interbeing bieten nicht von sich aus eine Formel für Entscheidungsfindung. Selbst wenn Sie anerkennen, dass “ich und die Welt eins sind”, wird Ihnen das nicht helfen zu entscheiden, ob es allen fühlenden Wesen mehr hilft, wenn Sie zu Hause bleiben und Ihren Kohlenstoffausstoß reduzieren oder zu einer Protestkundgebung gegen Fracking fahren. Ein solches Kalkül, bei dem Sie versuchen alles zu quantifizieren, die Auswirkungen jeder Handlung aufzuaddieren und dementsprechend Ihre Entscheidung zu fällen, gehört noch zur alten Geschichte. Diese Art der Entscheidungsfindung ist nur unter bestimmten, begrenzten Umständen nützlich – besonders dann, wenn sich Ursache und Wirkung mehr oder weniger linear zueinander verhalten. Sie ist für viele technischen Probleme und finanziellen Entscheidungen angemessen. Es ist die Geisteshaltung des Versicherungsmathematikers, der Risiken und Chancen gegeneinander abwägt. Die neue Geschichte bringt eine viel größere Veränderung als nur die, dass Risiken neu eingeschätzt und neue Chancen erkannt werden. Sie wird Ihnen nicht helfen, mit rationalem Kalkül Entscheidungen zu treffen. Aber sie wird die logischen Rahmenbedingungen bereitstellen, in denen unsere herzensbasierten Entscheidungen viel sinnvoller erscheinen werden.

iDiese Voraussetzungen legen auch fest, was publizierbar ist und was nicht, was problemlos durch die Peer Review geht und was einer feindseligen genauen Prüfung unterzogen wird, sowie welche Forschung finanziert wird und welche nicht. Das sind einige der Gründe, warum gewisse realen Phänomene “wissenschaftlich unbewiesen” bleiben.