Wann ist es die rechte Zeit die richtige Sache zu tun? Keiner kann eine Formel anbieten, mit der sich diese Frage beantworten lässt, weil der Rhythmus zwischen den Phasen der Aktion und der Ruhe eine eigene Intelligenz besitzt. Wenn wir unsere Antennen auf seine Wellenlänge einstellen, können wir diesen Rhythmus empfangen, und das Wahrnehmungsorgan ist die Sehnsucht, der Kick der Aufregung, oder das Gefühl von Flow, von Richtigkeit, von Übereinstimmung. Es ist das Gefühl lebendig zu sein. Auf dieses Gefühl zu hören und darauf zu vertrauen, ist wahrhaftig eine tiefgreifende Revolution. Wie wäre die Welt, wenn wir alle darauf hörten?

Diese Form von tiefem Selbstvertrauen macht jene weit verbreitete Gewohnheit der Separation deutlich, die ihr Gegenteil ist: die Gewohnheit zu kämpfen. So wie die Menschheit als Ganzes in der alten Geschichte dafür bestimmt ist, die Natur zu unterwerfen und über sie hinauszuwachsen, sind wir als Individuen damit beauftragt, das Stückchen Natur, das wir den Körper nennen, zu unterwerfen und über es hinauszuwachsen, einschließlich der Freude, der Triebe und jeder physischen Begrenzung. Tugend kommt von Selbstverleugnung, Willenskraft, Disziplin, Selbstaufopferung. Als Spiegel des Kriegs gegen die Natur kann dieser Krieg gegen das Selbst nur ein Ergebnis haben: die Niederlage.

Eine Begleiterscheinung des Kampfes gegen sich selbst ist es, alles aufzuwerten, was schwierig ist und alles abzuwerten, was leicht geht. Daher ist es auch eine Gewohnheit von Knappheitsdenken und Undankbarkeit. Stellen Sie sich vor, Sie praktizieren Meditation und jemand fragt Sie: “Was tust du eigentlich?” Sie antworten: “Nun, ich sitze auf einem Kissen und verfolge aufmerksam meinen Atem.” Der Fragende sagt: “Und das ist alles? Was ist daran so schwierig?” “Oh,” sagen Sie beleidigt, “es ist wirklich schwer!” Nur wenn es schwer ist, ist es etwas wert. Um es zu tun, müssen Sie etwas in sich selbst überwinden; Sie müssen in einer Art Kampf die Oberhand behalten.

Ich stelle fest, dass diese auf Kampf basierende Weltsicht rasch an Bedeutung verliert, wenn man Meditation praktiziert. Sich auf den Atem zu konzentrieren ist etwas, das man nicht erzwingen kann, man kann es nur zulassen. Es ist eigentlich sogar sehr einfach; nur unsere Gewohnheit, Dinge schwierig zu machen ist es, die dem im Wege steht. Nichtsdestotrotz verwenden wir oft das Wort “leicht” als Ausdruck der Geringschätzung wie im Satz: “Sie hat es sich leicht gemacht”.

Der Glaube, dass das Gute nur durch Opfer und Kampf kommt, geht tausende Jahre zurück – aber nur tausende Jahre. Er ist die charakteristische Mentalität der Landwirtschaft: Nur wer sät, soll auch ernten. Der urzeitliche Bauer musste lernen, die unmittelbaren Triebe des Körpers für eine weit in der Zukunft liegende Belohnung zu überwinden. So wie es eine Menge Arbeit erfordert, die Natur zu überwinden (zum Beispiel Felder urbar zu machen, Unkräuter zu jäten etc.), erfordert es auch Arbeit, die menschliche Natur zu überwinden: den Wunsch vielleicht zu spielen, zu singen, umherzustreifen, kreativ zu sein, und nur dann nach Nahrung zu suchen, wenn man gerade hungrig ist. Das bäuerliche Leben macht es erforderlich, diese Wünsche manchmal zu bezwingen.

Wenn ich die tiefen Wurzeln dieser Konditionierung aufspüre, fürchte ich diesen Fall zu sehr zu übertreiben. Der Übergang vom Jagen und Sammeln zur Landwirtschaft war kein plötzlicher Bruch, weder im Lebensstil noch auf psychischer Ebene. Die Jäger und Sammler haben auch vorausgedacht; sie zogen auch in ein Gebiet reich an Nahrungsquellen weiter oder gingen auf die Jagd, selbst wenn sie im Moment nicht hungrig waren. Ebenso genießen Kleinbauern reichlich Freizeit, und ihre Arbeit muss nicht langweilig oder anstrengend oder von Angst getrieben sein. Wie viele von uns wissen, kann das Gärtnern ein Genuss und eine Freude sein. Also liegt der wirkliche Ursprung für die Aufwertung der Selbstunterwerfung vermutlich erst später bei den ersten “bauenden” Zivilisationen. Ihr hoher Grad an Arbeitsteilung, Normierung von Aufgaben, Hierarchie und anderer Regelmentierung verlangte Tugenden wie Disziplin, Gehorsam, Opferbereitschaft und Arbeitsmoral.

Diese Zivilisationen entwickelten die konzeptuelle und organisatorische Basis für die Industrielle Revolution, welche die Arbeitsteilung, die Normierung von Prozessen und die dazugehörige Entwertung, Ausbeutung und Langeweile in bis dahin ungekannte Höhen trieb. Es war auch in jener Zeit, dass die Werte der Maschine voll zum Ausdruck kamen. Die Gesellschaft brauchte wirklich Millionen von Menschen, um sehr schwierige Dinge zu tun. Wir erdachten uns zahlreiche Institutionen, die uns dazu zwingen, die Gegenwart für die Zukunft aufzuopfern. Die Religion lehrte uns das zu tun: Verzichte auf das fleischliche Verlangen und überwinde es für die himmlische Belohnung im Leben nach dem Tod. Die Schule lehrte uns das zu tun, indem sie uns darauf konditionierte, für eine künftige externe Belohnung langweilige Aufgaben zu verrichten, die uns herzlich egal sind. Und vor allem das Geld lehrte uns das zu tun, oder öfter noch zwang es uns dazu durch Instrumente wie Zinsen und Schulden. Zinsen verleiten den Investor, auf unmittelbare Belohnung (oder Großzügigkeit) für eine noch größere in der Zukunft zu verzichten. Schulden zwingen das Entsprechende dem Schuldner auf.

Diese sozialen Einrichtungen vergegenständlichen den Kampf, der in unseren grundlegenden wissenschaftlichen Paradigmen enthalten ist. Nicht nur in der Darwinschen Biologie mit ihrem Kampf ums Überleben, sondern auch in der Physik mit dem verlorenen und endlosen Kampf gegen die Entropie, die im zweiten Gesetz der Thermodynamik beschrieben ist, befinden wir uns in einem feindlichen Universum, in dem wir gegen die Naturkräfte kämpfen, und uns mit Kraft- oder Gewaltanwendung einen kleinen Bereich von Sicherheit schaffen müssen, um einem sinnlosen, unordentlichen Durcheinander unseren Plan aufzuzwingen.

Sie können sehen, wie eng die Gewohnheiten von Knappheitsdenken und Kampf miteinander verflochten sind. Auf der ökonomischen Ebene ist es die Knappheit, die das Opfer motiviert und erzwingt. Auf der psychologischen Ebene kommt das Bedürfnis, sich selbst durch (paradoxerweise) die Selbstunterwerfung zu bestätigen von einer anderen Form von Mangel: “Ich bin nicht gut genug.” Und beides, Mangel und Kampf, sind unserer grundlegenden Vorstellung vom Sein inhärent. Das separate Selbst kann niemals genug haben: nie genug Macht, um jede Bedrohung durch die willkürlichen, erbarmungslosen Kräfte der Natur abzuwehren; nie genug Geld, um sich gegen jedes mögliche Unglück abzusichern; nie genug Sicherheit, um den Tod abzuwenden, der für das separate Selbst die totale Auslöschung bedeutet. Zugleich ist das separate Selbst, wenn es nach Geld, Macht und Sicherheit auf Kosten anderer Lebewesen strebt, grundsätzlich böse; nur durch Selbstunterwerfung und Selbstaufopferung kann es im Interesse anderer Lebewesen agieren. Angesichts dieser Trostlosigkeit ist es nicht schwer zu sehen, wie verlockend eine nicht-weltliche Sphäre des Geistes ist, ein Ort, an dem unser ewiges Opfer belohnt wird.

In dieser Welt, der Welt der Separation, ist das Opfer tatsächlich ewig. Der Schuldner lebt es. Der Investor macht es sich zunutze. Der Schuljunge lernt es. Wann werden wir aus dieser Wahnvorstellung aufwachen und das Leben genießen?

Das Erwachen wird umfassend sein, weil die Gewohnheit zu kämpfen so eng mit unserem modernen Leben verknüpft ist, dass wir sie kaum von der Wirklichkeit selbst unterscheiden können. Wir nehmen es für gegeben, dass sowohl man selbst als auch die Gesellschaft leiden wird, wenn man nicht eine gewisse Selbstbeschränkung ausübt. Es scheint sicher zu sein, dass man, wenn man nicht seinen Appetit zügelt, übergewichtig wird; dass man, wenn man nicht seine Neigung herumzulungern einschränkt, nie etwas zustande bringt; dass man, wenn man seinem Temperament freien Lauf lässt, die Menschen anschreien wird und so weiter. Dem Verlangen darf nicht getraut werden! Was, wenn es Ihr Verlangen ist, ein Dutzend Donuts zu essen? Sich zu besaufen? Jeden Tag bis Mittag zu schlafen? Zu schreien, zu schlagen zu vergewaltigen und zu töten? Gut, vielleicht sind Sie ja besser als manche Menschen – vielleicht haben Sie nicht das Verlangen diese Dinge zu tun. Oder vielleicht üben Sie mehr Selbstzurückhaltung; mehr als die Fetten, die Süchtigen, die Kriminellen, die Kindesmissbraucher, die Mörder.

In einem späteren Kapitel werde ich die Gewohnheit zu urteilen behandeln, durch die man sich selbst unter anderem als verschieden von und überlegen gegenüber jenen hält, die die Sklaven ihrer Gelüste sind. Jetzt möchte ich direkt die Auffassung aufgreifen, dass es das ungezügelte Verlangen sei, das unser Leben und in seiner Form von Konsumismus und Gier auch das restliche Leben auf Erden zerstört. Es kann sicher diesen Anschein haben. Allerdings ist es angebracht, diesem Anschein zu misstrauen, schon einfach deswegen, weil er sich so nahtlos an den internalisierten Krieg gegen die Natur und die Geschichte von der Kontrolle fügt. Gibt es noch eine andere Möglichkeit das zu verstehen, ohne einen Krieg gegen das Selbst heraufzubeschwören?

Einmal nach einem Vortrag in England fragte mich eine junge Frau, ob ich viel herumfliege, wenn ich so viele Vorträge halte. “Ja,” antwortete ich. Sie fragte dann: “Wie rechtfertigen sie das?” “Was meinen sie?” Sie begann, mir den CO2-Fußabdruck von Luftverkehr zu erklären, und da unterbrach ich sie: “Oh, ich rechtfertige das nicht. Ich mache es, weil ich mich dabei lebendig fühle, weil es mir Freude macht. Ich tue es, weil ich es mag.” Ich fuhr fort: “Jetzt könnte ich mir eine Rechtfertigung ausdenken, wenn sie möchten. Vielleicht könnte ich sagen, dass ich glaube, dass der Gesamteffekt meiner Flugreisen und Vorträge, durch die sich ja manchmal der Lebensverlauf von Menschen ändert, das CO2 wettmacht, das durch meine Flugreisen freigesetzt wurde. Vielleicht werden sich manche Menschen, die mich hören für eine Karriere in der Permakultur statt im Steuerrecht entscheiden. Vielleicht werden sie den Mut haben ein Leben zu führen, das zu einer ökologischen Gesellschaft beiträgt. Aber obwohl ich denke, dass das stimmt, würde ich sie anlügen wenn ich sagte, dass das meine Rechtfertigung sei. Der echte Grund, die Wahrheit, ist, dass ich es tue, weil ich es mag.”

Die Frau war fassungslos. “Sie sind vollkommen unmoralisch,” sagte sie. “Mit dieser Logik könnten sie alles tun was sie mögen, nur weil ihnen danach ist. Sie könnten es rechtfertigen tierisches Fleisch zu essen, das Leben eines fühlenden Lebewesens für eine vorübergehende Gaumenfreude zu opfern. Sie könnten Mord rechtfertigen, wenn `ihnen danach war´. Das sagen sie doch sicher nicht im Ernst. Sie können den Menschen doch nicht erzählen, sie sollten tun, was immer sie möchten!”

“Ja, genau das tue ich,” antwortete ich. An diesem Punkt endete die Konversation, aber ich will sie hier fortführen. Ich will klarmachen, dass “Tu, was immer du willst” schnell zu der Erkenntnis führt, dass wir eigentlich gar nicht wissen, was wir wollen. Und dass das, was man uns über die natürlichen Objekte der Begierden erzählt hat, eine Fiktion ist.

Was ist denn genau das Problem, wenn ich tue, was immer ich will oder tue, was immer sich gut anfühlt? Warum machen wir aus der Selbstbeschränkung eine Tugend?

Wenn das, was wir wollen, destruktiv für uns selbst und andere wäre, dann wäre es tatsächlich fürchterlich, die Menschen zu ermutigen einfach zu tun, was sie wollen. Wenn Johannes Calvin wirklich Recht hatte mit der völligen Verderbtheit der Menschen, wenn der menschliche Fortschritt tatsächlich ein Aufstieg aus einem Zustand der bestialischen Wildheit ist, wenn die Natur im Grunde ein Krieg von jedem gegen alle ist und es in der Natur des Menschen liegt, diesen Krieg mit allen nötigen Mitteln zu gewinnen, wenn Menschen rücksichtslose Maximierer des rationalen Eigeninteresses sind, dann, ja, dann müssen wir das Verlangen unterwerfen, das Fleisch unterwerfen, und Genuss überwinden, müssen die innere biologische Natur genauso unterwerfen wie die äußere, und müssen kartesianische Herren und Besitzer unserer selbst wie des Universums werden.

Das ist die alte Geschichte. In der neuen Geschichte sind wir nicht mehr im Krieg gegen die Natur und streben nicht mehr danach, das Selbst zu unterwerfen. Wir entdecken, das das Verlangen so zerstörerisch war, weil wir uns täuschten. Die Dinge, die wir zu wollen glauben, sind oft ein Ersatz für das, was wir wirklich wollen, und die Genüsse, die wir suchen, sind geringer als die eigentliche Freude, von der sie uns ablenken. Aus dem normalen Blickwinkel scheint es sicherlich so, als könnten wir nur mit Disziplin den Versuchungen widerstehen, die uns umgeben; zu viel essen, Drogen, Videospiele, hirnloses Surfen im Internet, und alles, was wir sonst noch konsumieren. Das alles ist unzweifelhaft destruktiv für unser eigenes Leben und darüber hinaus; daher, so scheint es, können wir dem Verlangen ganz und gar nicht immer trauen. Aber wenn wir erkennen, dass diese Dinge eigentlich nicht das sind, wonach uns verlangt, wird es nicht länger unser Ziel sein, das Verlangen zu unterdrücken sondern herauszufinden, was denn das wahre Wollen oder Bedürfnis ist, und dieses zu erfüllen. Das ist keine triviale Aufgabe; es ist ein profunder Pfad der Selbsterkenntnis.

Verlangen kommt von unerfüllten Bedürfnissen. Das ist eine fundamentale Wahrnehmung des Selbstvertrauens. Eine Spielart des Kriegs gegen das Selbst, der den Krieg gegen die Natur und das Programm von Kontrolle widerspiegelt, ist es, sich zwar die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zu erlauben, aber die “selbstsüchtige” Erfüllung der eigenen Gelüste zu beschränken. Das ist Teil der alten Geschichte. Es führt nicht nur zu Selbstablehnung, sondern auch zum Urteilen über sich und andere. Ich begrenze die Erfüllung meiner Gelüste, aber die anderen tun es nicht. Wie egoistisch von ihnen. Sie sollten sich zurückhalten. Sie sollten diszipliniert sein. Und wenn sie das nicht tun, wenn sie einfach nur egoistische Leute sind und es, aus welchen Gründen auch immer, nicht verinnerlicht haben, dann werden wir sie durch Anreize und Regeln, Belohnungen und Bestrafungen zwingen müssen, sich weniger egoistisch zu benehmen. Wir werden über sie ein Programm von Kontrolle verhängen müssen.

In der neuen Geschichte suchen wir nach dem ungestillten Bedürfnis, das das Verlangen antreibt. Das ist ein machtvolles transformatives Werkzeug, nicht nur für die persönliche Entwicklung, sondern auch, wie ich erklären werde, für den sozialen Wandel. Wenn wir uns direkt um das ungestillte Bedürfnis kümmern, wird es nicht länger das Verlangen antreiben, das so zerstörerisch war. Misslingt es, sich um das Bedürfnis zu kümmern, dann baut der Dampfkessel, der das Verlangen antreibt, weiter Druck auf. Sucht und Befriedigung oberflächlicher Gelüste sind wie Ventile. Wenn wir sie mit Willenskraft zudrücken, baut sich Druck auf, und irgendwann explodiert es, vielleicht als ein Exzess, oder wenn die alte Form, in der sich das Verlangen äußerte, unverfügbar gemacht wurde, als ein neues Suchtverhalten. Das erklärt das häufige Phänomen von “Suchtverschiebung” bei Patienten, die sich bariatrischer Chirurgie unterzogen haben. Wenn sie nicht mehr zu viel essen können, beginnen sie oft zu trinken, zu spielen oder zwanghaft einkaufen zu gehen.i

Die Vergeblichkeit des Kriegs gegen das Selbst spiegelt die Vergeblichkeit des Kriegs im Allgemeinen wider, bei dem immer die tieferen Ursachen der auslösenden Situation unberührt bleiben. Die einzige Ausnahme wäre, wenn eine Nation oder ihre Oberhäupter einfach nur böse wären. Wenn sie unverbesserlich sind, dann ist Gewalt die einzige Lösung. Gleichfalls, wenn Ihr schlechtes Verhalten von einer angeborenen Schlechtigkeit herrührt, einer inhärenten elementaren Verderbtheit in Ihnen, dann wäre es auch wahr, dass die einzige Lösung die wäre, sie zu unterdücken.

Diese Logik führt schließlich zur Verzweiflung – denn was passiert, wenn Sie versuchen, sie zu bezwingen und scheitern? Was passiert, wenn dieser verderbte Teil in Ihnen zu stark ist, stärker als jede Kraft, die Sie aufbieten können, um ihn zu bezwingen? Was geschieht, wenn es dieser Teil von Ihnen ist, der Ihr Leben führt? Was passiert, wenn die scheinbar bösen Menschen die Welt regieren? Wie Ihnen jeder Süchtige erzählen kann, reicht Gewalt angesichts einer noch viel stärkeren Gewalt nicht aus. Die Verzweiflung der Menschen auf Diät, die versuchen, die Macht des Verlangens zu überwinden, und die Verzweiflung der Aktivisten, die versuchen, die Kraft der verheerenden Mächte zu überwinden, die die Welt regieren, sind identisch. Wir alle ringen mit demselben Dämon in einer Unzahl verschiedener Gestalten. Zum Glück irren wir uns mit unserer Auffassung vom Ursprung von Gewalt, Gier etc. und daher auch mit der Vorstellung, dass Gewalt das Gegenmittel sei.ii

iDieses Phänomen ist umstritten; manche Fachleute sagen, es existierte nicht, während andere eine Rate von 5- 30% angeben. Ein Adipositaschirurg, den ich persönlich kenne, und der sich mit Patientengruppen nach dem Eingriff trifft, hat mir erzählt, dass er glaubt, der Prozentsatz liege eher um die 90%.

iiLassen Sie mich das relativieren. Gewalt hat wie alle Dinge ihre angemessene Rolle. Ich würde nicht vorschlagen, dass ein trockener Alkoholiker seinen disziplinierten Entschluss aufgeben sollte, heute nicht zu trinken. Auch würde ich nicht vorschlagen, dass wir auf Gewalt verzichten sollten, um einen Bewaffneten beim Amoklauf oder einem Massaker, das gerade in Gang ist, aufzuhalten. Wenn wir verstehen, dass diese Lösungen nicht an die Wurzel des Problems reichen, werden wir nicht versuchen, sie statt einer wirklichen Heilung anzuwenden.