Jemand nimmt sich vor, die Welt zu zeichnen. Im Lauf der Jahre bevölkert er einen Raum mit Bildern von Provinzen, Königreichen, Gebirgen, Buchten, Schiffen, Inseln, Fischen, Zimmern, Instrumenten, Gestirnen, Pferden und Menschen. Kurz bevor er stirbt, entdeckt er, dass dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines eigenen Gesichts wiedergibt. (Jorge Luis Borges)

Aber werden wir es schaffen? Wenn, wie bei so vielen anderen Fragen, Beweise und Vernunft allein nicht ausreichen, um eine Ansicht festzulegen, wie wollen wir dann diese Frage beantworten – besonders, wenn die Antwort alles andere entscheidet, selbst unsere grundlegenden Geschichten vom Selbst und von der Welt? Ich schlug weiter oben eine Antwort vor: dass Sie die Geschichte selbst auswählen, in der Sie leben wollen.

Aber wie wählt man eine Geschichte? Was soll man glauben, wenn Vernunft, Logik und Beweise so leicht in den Dienst einer Geschichte genommen werden können? Hier ist eine Alternative: Wählen Sie jene Geschichte, die dem am besten gerecht wird, wer Sie wirklich sind, wer Sie sein möchten und dann tatsächlich auch werden.

Hinter dem Nebel von Verzagtheit in der Frage “Werden wir es schaffen?” wartet ein Tor zu unserer Macht Entscheidungen zu treffen und schöpferisch tätig zu sein. Über dem Tor steht nämlich eine andere Frage geschrieben, die eigentliche Frage: “Wer bin ich?”

Die Verzweiflung ist da solange die ihr zugrundeliegende Geschichte gilt, die bestimmt, was wir für möglich halten. Die zugrundeliegende Geschichte ist die Geschichte vom Selbst. Wer sind Sie also? Sind Sie ein vereinzeltes und abgetrenntes Individuum in einer Welt voll von Anderen? Oder sind Sie die Gesamtheit aller Beziehungen, die an einem bestimmten Aufmerksamkeitspunkt zusammenlaufen? Verabschieden Sie sich von der Idee, dass Sie diese Frage beantworten können, indem Sie Beweise finden. Noch ein Buch mehr über Psi-Phänomene oder Reinkarnationstherapie zu lesen wird Ihren inneren Skeptiker auch nicht zufriedenstellen. Noch so viele Beweise werden nicht genug sein. Sie werden sich einfach entscheiden müssen, ohne Beweis. Wer sind Sie?

Die Mystiker haben uns seit tausenden Jahren eine Antwort angeboten – zwei Antworten. Zum einen: streifen Sie alles ab, was Sie mit dieser Welt verbindet, Ihr Geld, Ihre Beziehungen, Ihre Arme und Beine, Ihre Sprache, und noch immer ist etwas übrig, das “Sie” sind. Ich bin nicht dies. Ich bin nicht das. Etwas minus alles ist nichts; daher die erste Antwort: Sie sind nichts. Aber wenn wir uns darauf einlassen, erkennen wir, dass nichts nicht nichts ist; es ist alles: alle Dinge entspringen aus der Leere, und ein Fleckchen Quantenvakuum hat die Energie einer Milliarde Sonnen.

Daher also die zweite Antwort: Sie sind alles. Nehmen Sie selbst die kleinste Beziehung weg, und auch Sie sind kleiner; fügen Sie eine hinzu, und Sie sind größer; verändern Sie irgendein Wesen im Kosmos, und auch Sie werden verändert. Sie sind daher alles: ein Netz aus Beziehungen, von denen jede alle anderen umfasst.

Das ist das Selbst des Interbeing. Der “Situation” entkleidet ist Ihre Aufmerksamkeit meine Aufmerksamkeit, ist jedermanns Aufmerksamkeit. Wir sind das selbe Wesen, das durch verschiedene Augen auf die Welt blickt. Und diese “Augen” diese Blickwinkel, sind alle einzigartig. Wie es der Komiker Swami Beyondananda sagt: “Sie sind ein absolut einzigartiges Wesen – genau wie jeder andere!”

Mehr werde ich nicht über die Natur des Seins sagen. Je mehr ich sage, desto weniger wahr wird es. Außerdem, wer bin ich zu wissen, was “Sie” sind? Also sagen wir einfach, dass das separate Selbst, als das wir in den vergangenen paar Jahrhunderten in verschiedenen Erscheinungsformen lebten, eine von vielen möglichen Geschichten vom Selbst ist.

Wer sind Sie? Es ist keine objektive Frage, welche Geschichte und welches Selbst für Sie real ist. Keine noch so große Menge an Beweisen wird sie je beantworten; nicht nur das, es gibt nicht einmal eine objektive Faktenlage. Gleichwohl gibt es das, was wahr ist. Merken Sie, wie sich die Wahrheit dessen, wer Sie sind, verändert? Wissen Sie, dass Sie immer weniger das Selbst der Separation sind?

Jenes separate Selbst, das sich fürchtet zu schenken, fürchtet zu dienen, jenes Opfer unpersönlicher Kräfte ohne Einfluss auf die feindliche Welt dort draußen ist genau das Selbst, das Beweise dafür sucht, dass es nicht dieses Selbst ist. Ich kann Ihnen das nicht beweisen, ich kann nicht beweisen, dass die Geschichte vom Interbeing wahr ist, so wie in der Politik oder oft sogar in der Wissenschaft keine Seite der anderen beweisen kann, dass sie recht hat. Sich auf sichere Beweise zu verlassen ist Teil der alten Geschichte, zu der das gehört, was wir Objektivität nennen. Sie werden sich entscheiden müssen, und Sie können sich nicht länger mit der Suche nach Beweisen vor dieser Entscheidung drücken. Das gilt für jede Frage, vor der Sie stehen. Welche Ansicht ist wahr? Umso mehr gilt das für die Frage: “Wer bin ich?”

Höre ich immer noch den Zyniker, den betrogenen, sagen: “Was passiert, wenn ich mich entscheide, das Selbst des Interbeing zu sein und daher in einer Welt-Geschichte zu leben, in der Heilung möglich ist, aber mich nur selbst damit täusche?” Diese Frage, das erkennen Sie vielleicht, ist von der gleichen Energie getragen wie: “Werden wir es schaffen?” Es ist das wehleidige Geheule des separaten Selbst. “Was, wenn ich allein bin? Was, wenn ich schenke und diene, aber kein anderer in dieser feindlichen Welt gibt mir etwas zurück und kümmert sich um mich?” Die Schlussfolgerung: “Ich gehe besser auf Nummer sicher. Ich sollte mich lieber um meine eigenen Interessen kümmern und zusehen, dass ich für mich die größtmögliche Sicherheit habe.” Jetzt addieren Sie Milliarden von Menschen, die alle das Gleiche denken und danach handeln, und Sie sehen, dass es an unserer kollektiven Verstrickung in diese Geschichte liegt, dass wir ihr Abbild und ihre Bestätigung in der Welt rund um uns geschaffen haben. Wir selbst haben den Beweis miterzeugt, den wir dann als eine Rechtfertigung in das Fundament unserer Geschichte einbauen.

Entscheiden Sie sich in einer neuen Geschichte zu leben, und Sie werden eine ähnliche, sich selbst bestätigende positive Rückkopplungsschleife erleben. Sie werden in eine andere Welt mit anderen Gesetzen hinübergewechselt haben. Ich bekomme ständig Briefe, in denen Dinge stehen wie: “Ich habe mein ganzes Geld hergegeben und kann kaum glauben, auf welch magische Weise sich mein Leben verändert hat.” Manchmal raten New Age Lehrer, die von solchen Geschichten wissen oder selbst die Befreiung aus der Mangelprogrammierung erlebt haben, dass die Menschen ihre Ansichten rund ums Geld ändern sollen. Leichter gesagt als getan, wenn diese Ansichten Teil eines viel größeren Mosaiks sind, eines integralen Musters, in dessen Zentrum die Frage steht: “Wer bin ich?” Nur wenn sich die Antwort darauf ändert, können sich die mit ihr in Zusammenhang stehenden Ansichten ändern und alles in ein neues und schöneres Muster auflösen. Aber solange sich “wer ich bin” nicht geändert hat, wird es alle übrigen Überzeugungen wieder in Übereinstimmung mit sich selbst und mit der Separation ziehen, wie sehr Sie sich auch immer bemühen, “Negativität” zu vermeiden. Negativität ist ein fixer Bestandteil unserer grundlegenden Mythologie von Selbst und Welt.

Schlussendlich wird es, wenn man sich nicht zumindest teilweise auf die Geschichte vom Interbeing eingelassen hat, nicht möglich sein, isolierte abgeleitete Ansichten zu verändern, und man wird auch nie etwas anderes als immer nur das Abbild der Separation in der Welt hervorbringen. Nichts was Sie tun wird wirklich von Nutzen sein. Selbst wenn Sie gegen den Eigennutz kämpfen, um ein “guter Mensch” zu sein, dienen Sie immer noch dem Ziel, (sich selbst oder anderen) als ein guter Mensch zu erscheinen statt tatsächlich anderen Menschen und der Welt zu dienen. Also hören Sie auf zu versuchen ein guter Mensch zu sein. Entscheiden Sie sich statt dessen, der oder die zu sein, die Sie sind. Was Sie dann von dort ausgehend schaffen, wird ein viel größerer Dienst sein als alles, das Sie aus verdeckter Eitelkeit erreichen. Außerdem ist unser halbbewusstes Konzept “gut zu sein” hoffnungslos mit den Mechanismen sozialer Konformität und bürgerlicher Moral verstrickt, die dazu dienen, den Status quo aufrecht zu erhalten. Das hält uns davon ab, die kühnen Taten zu setzen, die die alte Geschichte unterbrechen. In dieser Hinsicht könnten wir sogar etwas von den Psychopathen lernen.

Die Frage “Wer bin ich?” ist auch deshalb so wichtig für jeden erfolgreichen Beitrag zu einer schöneren Welt, weil diese Frage eine weitere mit sich bringt: “Wer bist du?” Sprich, wir sehen die anderen mit den gleichen Augen wie uns selbst. Wenn wir andere als Interbeings sehen, deren inniger Wunsch es ist zu schenken und zu dienen, werden wir dementsprechend mit ihnen umgehen und den Raum offen halten, damit sie sich selbst auch so sehen können. Wenn wir sie andererseits als egoistisch und getrennt von uns betrachten, werden wir sie anders behandeln, und sie gewaltsam in eine Geschichte drängen, in der sie allein in einem feindlichen Universum sind.

Weiter oben beschrieb ich, wie aktivistische Taktiken, die sich die Angst des Opponenten vor der öffentlichen Meinung und sein Bedürfnis sich zu profilieren zunutze machen, diesem Gegner faktisch signalisieren: “Ich kenne dich. Du bist egoistisch und korrupt. Du willst nicht von dir aus das richtige tun, also werden wir dich dazu zwingen müssen.” Um so über jemanden zu denken, müssen wir uns selbst auch so sehen, wenngleich wir uns einreden, dass wir in uns selbst diese Seite – im Gegensatz zu ihnen – überwunden haben. Darüber hinaus halten wir, wenn wir so über jemanden denken, für ihn diese Geschichte offen und fordern ihn auf, diese Rolle zu spielen. Und wenn die anderen es dann tun, fühlen wir uns in unserer Taktik und in unserer Sicht von ihnen bestätigt. Aber wenn wir in der neuen Geschichte stehen, bringt diese Dynamik genau die gegenteiligen Resultate. Wir sehen jeden rund um uns an, auch die, die wir als Gegner betrachtet hätten und all die Menschen, die wir verurteilten, und jetzt vermitteln wir ihnen: “Ich kenne dich. Du bist ein wunderbares, göttliches Wesen, das danach dürstet, diese Göttlichkeit mit Hingabe zum Ausdruck zu bringen. Du willst, wie ich, deine Fähigkeiten dafür einsetzen, eine schönere Welt zu erschaffen.”

Die meisten von uns können nicht allein in der neuen Geschichte leben – das würde auch dem Grundprinzip von Interbeing widersprechen. Wenn Sie Teil von mir sind, und Sie in der Separation leben, dann tut es auch ein Teil von mir. Es gibt weiß Gott eine Menge sozialer und ökonomischer Kräfte, die uns in der alten Geschichte halten. Ein Wunder oder ein Zusammenbruch kann uns zeitweise aus der Welt der Separation katapultieren, aber um dort zu bleiben, brauchen die meisten von uns Hilfe. Das ist etwas, was wir alle einander anbieten können. Darum sage ich, dass Erleuchtung ein Gruppenprozess ist.

Die Wege zur Wiedervereinigung sind verschlungen. Manchmal lässt eine Haarnadelkurve es so aussehen, als führte uns jeder Schritt vom Bestimmungsort weiter weg. Diese Kehrtwenden, selbst die Sackgassen und die Strecken, die wir wieder zurückgehen, sind alle Teil des Weges, der uns durch das neue Gelände des Interbeing führt. Es ist ungewohnt für uns, dieses Gelände. Es gibt kaum Landkarten, und wir haben noch nicht gelernt, die Spuren zu lesen. Wir folgen einem unsichtbaren Pfad und lernen voneinander, wie man ihn findet. Indem wir das tun und lernen, seine unscheinbaren Markierungen zu erkennen, wird der Pfad sichtbar. Ohne Karte und in den ganz frühen Stadien einer neuen Geschichte können wir an jeder Wegkreuzung nur unserer Intuition folgen, geleitet von unserem Herzenskompass, ohne zu wissen, wie wir durch unsere Wendungen unserem Bestimmungsort näherkommen. Oft führen uns unsere Gewohnheiten der Separation in die Irre und zurück auf die alten, ausgetretenen Pfade, die uns vertraut sind. Wir müssen einen neuen Sehsinn entwickeln, um die schwachen Spuren der uralten Fußabdrücke zu erkennen, die aus dem Labyrinth heraus führen. Wir müssen das Gelände selbst sehen, die Wahrheit hinter den Geschichten.

Während wir gehen, tanzt unser Bestimmungsort vor unseren Augen, einmal ist er sichtbar, dann wieder nicht. Wir erklimmen einen Hügel – da ist er! Irgendwie hat mich mein Herumirren näher gebracht. Wir steigen in ein Tal hinunter, fühlen uns verloren, suchen nach der richtigen Richtung; ich beginne zu zweifeln, dass der Bestimmungsort, den ich sah, wirklich existiert. In diesen Momenten treffe ich einen anderen Wanderer. “Ja,” sagt er, “ich habe ihn auch gesehen.” Wir erzählen einander, was wir über das Gehen auf dem unsichtbaren Pfad gelernt haben. Wenn mehr von uns dieses Gelände betreten, kommt es öfter zu solchen Begegnungen, und gemeinsam finden wir einen Weg hin zur schöneren Welt, von deren Möglichkeit unsere Herzen wissen.

Ein häufiges Muster auf diesem Pfad ist, dass ein erster Vorstoß in das neue Territorium eine Zeit lang glatt gehen kann, aber bald beschert das Leben eine Erfahrung, die uns fragt: “Bist du dir sicher? Bist du sicher, dass du hier leben möchtest, und dass du so sein möchtest?” Zum Beispiel geben Sie einen Job auf, der Ihnen finanzielle Sicherheit bot, und vertrauten darauf, dass es schon irgendwie gehen würde, wenn Sie Ihrem Herzen folgen. Aber es eröffnet sich keine Aussicht auf einen neuen Wunderjob, Ihre Ersparnisse schmelzen dahin, und die lauernden Ängste, die sich hinter der Zuversicht “es wird schon irgendwie gehen” versteckten, treten in den Vordergrund. Wer sind Sie denn wirklich? Wenn alles glatt gegangen wäre, müssten Sie sich dieser Frage nicht frontal stellen. Manchmal muss eine Entscheidung schonungslos sein, um zu klären, wer wir wirklich sind. Die “was wenn”- Ängste bewahrheiten sich, oder es scheint ganz so, als würden sie es demnächst tun. Eine Frau sagte zu mir: “Ich fürchte, dass mein Mann mich verlassen wird, wenn ich beginne, für das gerade zu stehen, was ich will.” Schließlich tat sie genau das – und ihr Mann verließ sie. Wenn Sie aufhören so zu leben, wie Sie gelebt haben, dann wird vielleicht das Schlimmste eintreten. Zumindest wird es drohen zu geschehen. Dann werden Sie erkennen, ob Sie bereit sind, eine echte Entscheidung zu treffen oder nur eine vorbehaltliche in der Hoffnung, dass alles gut gehen wird und bereit, sie wieder zurückzunehmen, sobald es so aussieht, als würde doch nicht alles gut gehen.

Wenn man durch eine Reihe von Initiationen wie dieser in eine neue Geschichte geht, wird man in ihr gefestigt. Wenn man in ihr gefestigt ist, kann man sie für andere Menschen offen halten. Selbst wenn jemand in einer Krisensituation oder angesichts der eigenen Initiation nicht an die Geschichte des Interbeing glauben kann, ist es möglich, dass ein gefestigter, initiierter Mensch für ihn oder sie daran glaubt und diese Möglichkeit offen hält, bis sie bereit sind, in sie einzutreten. Mit jeder Initiation werden wir stärkere Träger, und unsere Worte und Taten werden Teil der Erzählung dieser Geschichte.

Ich hoffe, dass dieses Buch dabei half, Sie als Erzähler, als Trägerin und als Diener der neuen Geschichte von den Menschen zu stärken. Ich werde nun selbst mit einer Geschichte schließen.

Der Stamm versammelt sich

Es war einmal, dass ein großer Stamm von Menschen in einer Welt weit weg von der unseren lebte – ob weit weg im Raum oder in der Zeit oder sogar außerhalb der Zeit, das wissen wir nicht. Sie lebten in einem solchen Zustand von Glück und Freude, wie ihn wenige von uns heute wagen für möglich zu halten – abgesehen von jenen außergewöhnlichen Höhepunkten, in denen wir einen Blick auf das wahre Potential von Leben und Geist erhaschen.

Eines Tages beriefen die Stammesältesten eine Versammlung ein. Sie fanden sich im Kreis zusammen, und eine von ihnen sprach ernst und feierlich: “Meine Freunde,” sagte sie, “es gibt eine Welt, die unsere Hilfe braucht. Sie wird Erde genannt, und ihr Schicksal hängt am seidenen Faden. Ihre Menschen haben einen kritischen Punkt in ihrer kollektiven Geburt erreicht, den Punkt, den wir auf unserem Planeten vor einer Million Jahren erreicht hatten, und sie werden eine Fehlgeburt erleiden, wenn wir ihnen nicht helfen. Wer möchte sich freiwillig für eine Mission in diese Zeit an jenen Ort melden und der Menschheit einen Dienst erweisen?”

“Erzähl uns mehr über dieser Mission,” baten sie.

“Es ist keine Kleinigkeit. Unser Schamane wird euch in eine tiefe, tiefe Trance versetzen, so vollständig, dass ihr vergessen werdet, wer ihr seid. Ihr werdet ein Leben als Mensch führen, und am Anfang werdet ihr eure Herkunft komplett vergessen haben. Ihr werdet sogar eure Sprache vergessen und euren eigenen wahren Namen. Ihr werdet getrennt sein vom Wunder und der Schönheit unserer Welt, und von der Liebe, die uns alle umgibt. Ihr werdet das schmerzlich vermissen, aber ihr werdet nicht benennen können, was euch fehlt. Nur ein Verlangen in eurem Herzen wird euch an die Liebe und Schönheit, die wir als normal kennen, erinnern. Wenn ihr in das Leben auf der brutal geschändeten Erde eintaucht, wird eure Erinnerung die Form eines intuitiven Wissens, dass eine schönere Welt möglich ist, annehmen.

Während ihr in dieser Welt aufwachst, wird euer Wissen unter ständigem Beschuss sein. Auf tausend Weisen wird man euch sagen, dass eine Welt der Zerstörung, Gewalt, Plackerei, Angst und Erniedrigung normal ist. Ihr werdet vielleicht eine Zeit durchleben, in der ihr völlig allein seid, ohne Verbündete, die euer Wissen um eine schönere Welt bestärken. Ihr stürzt vielleicht in eine Verzweiflung, so tief, wie wir sie uns in unserer Welt des Lichts gar nicht vorstellen können. Aber was auch immer geschieht, ein Funke des Wissens wird euch nie verlassen. Eine Erinnerung an euren wahren Ursprung wird in eurer DNA kodiert sein. Dieser Funke wird in euch glimmen, unauslöschlich, bis er eines Tages wach gerufen wird.

Seht ihr, auch wenn ihr eine Zeit lang das Gefühl habt völlig allein zu sein, werdet ihr nicht allein sein. Wir werden euch Hilfe schicken, Hilfe, die ihr als Wunder erleben, Erfahrungen, die ihr als transzendent beschreiben werdet. Das wird den Funken zu einer Flamme anfachen. Ein paar Augenblicke oder Stunden oder Tage werdet ihr wieder zu der Schönheit und Freude erwachen, wie sie sein soll. Ihr werdet sie auf der Erde sehen, denn obwohl der Planet und seine Menschen schwer verwundet sind, gibt es dort immer noch Schönheit, die von der Vergangenheit und der Zukunft auf die Gegenwart abstrahlt, als eine Verheißung dessen, was möglich ist, und eine Erinnerung an das, was wirklich ist.

Nach diesem kurzen Blick kann es sein, dass die Flamme wieder auf eine Glut herunterbrennt, wenn die Routinen des normalen Lebens euch wieder gefangen nehmen. Aber nach jedem Erwachen werden sie weniger normal und die Geschichte von dieser Welt weniger wirklich erscheinen. Die Glut wird heller strahlen. Wenn es genug Gluten gibt, werden sie alle zusammen wieder in ein Feuer ausbrechen und einander gegenseitig am Brennen halten.

Denn, erinnert euch, ihr werdet dort nicht allein sein. Wenn ihr beginnt, euch an eure Mission zu erinnern, werdet ihr anderen von unserem Stamm begegnen. Ihr werdet sie an eurem gemeinsamen Ziel, an euren Werten und Intuitionen erkennen und an der Ähnlichkeit der Wege, die ihr gegangen seid. Wenn die Lage der Erde Krisenausmaße erreicht, werden sich eure Wege öfter kreuzen. Die Zeit der Einsamkeit, die Zeit, in der ihr Angst hattet verrückt zu sein ist dann vorbei.

Ihr werdet die Menschen aus unserem Stamm auf der ganzen Erde finden und durch die Technologien für Kommunikation über große Distanzen, die auf diesem Planeten verwendet werden, von ihnen erfahren. Aber die wirkliche Veränderung, die wirkliche Beschleunigung, wird in Versammlungen von Angesicht zu Angesicht an besonderen Orten geschehen. Wenn viele von euch zusammenkommen, werdet ihr ein neues Stadium eurer Reise in Gang setzen, einer Reise, die, das versichere ich euch, dort enden wird, wo sie genau jetzt beginnt. Dann wird die Mission, die unbewusst in euch lag, in eurem Bewusstsein aufblühen. Eure intuitive Rebellion gegen die Welt, wie man sie euch als normal präsentierte, wird zur ausdrücklichen Aufgabe werden, eine schönere zu erschaffen.”

Eine Frau sagte: “Erzähl uns mehr über die Zeit der Einsamkeit, damit wir uns darauf vorbereiten können.”

Die Stammesälteste sagte: “In der Zeit der Einsamkeit werdet ihr immer versuchen euch zu versichern, dass ihr nicht verrückt seid. Ihr werdet das tun, indem ihr den Leuten erzählt, was auf der Welt falsch läuft, und ihr werdet euch verraten fühlen, wenn sie nicht auf euch hören. Es kann sein, dass ihr begierig auf Geschichten über Ungerechtigkeit, Gräueltaten und Umweltzerstörung seid, die alle eurer intuitives Wissen bestätigen, dass es eine schönere Welt gibt. Wenn ihr indes die Hilfe empfangen habt, die wir euch senden werden, und wenn sich eure Zusammenkünfte häufen, werdet ihr das nicht länger tun müssen. Weil ihr es wissen werdet. Eure Energie wird sich dann darauf ausrichten, aktiv diese schönere Welt zu erschaffen.”

Eine Stammesfrau fragte: “Woher weißt du, dass das gelingen wird? Bist du sicher, dass die Kräfte unseres Schamanen groß genug sind, um uns auf eine solche Reise zu schicken?”

Die Älteste antwortete: “Ich weiß, dass es gelingen wird, weil er es schon viele Male gemacht hat. Viele sind schon zur Erde geschickt worden, um ein Leben als Mensch zu führen und die Vorarbeit für die Mission zu leisten, die ihr jetzt unternehmen werdet. Er hat geübt! Der einzige Unterschied ist, dass jetzt viele von euch zugleich dorthin gehen werden. Das neue an der Zeit, in der ihr leben werdet, wird sein, dass ihr in einer kritischen Masse zusammenkommt, und dass jeder den anderen zu seiner Mission erweckt. Die Hitze, die ihr erzeugt, wird den gleichen Funken entzünden, der in jedem Menschen liegt, denn in Wahrheit ist jeder von einem Stamm wie dem unseren. Die ganze Galaxie und darüber hinaus kommt auf der Erde zusammen, weil noch nie ein Planet so weit in die Separation hinausgegangen ist und es wieder zurück geschafft hat. Die von euch, die gehen, werden Teil eines neuen Schritts in der kosmischen Entwicklung sein.”

Ein Mann aus dem Stamm fragte: “Besteht die Gefahr, dass wir uns in dieser Welt verlieren und nie mehr aus der schamanischen Trance erwachen? Besteht die Gefahr, dass die Verzweiflung, der Zynismus und der Schmerz der Separation so groß sein werden, dass sie den Funken der Hoffnung, den Funken unseres wahren Selbst und Ursprungs auslöschen, und dass wir für immer von unseren Lieben getrennt sein werden?”

Die Älteste antwortete: “Das ist unmöglich. Je tiefer ihr euch verliert, desto mächtigere Hilfe werden wir euch schicken. Es könnte sich eine Zeit lang so anfühlen, wenn eure persönliche Welt zusammenbricht und ihr alles verliert, was euch wichtig war. Später werdet ihr das Geschenk darin erkennen. Wir werden euch nie im Stich lassen.”

Ein anderer Mann fragte: “Ist es möglich, dass unsere Mission scheitert, und dass dieser Planet, die Erde, untergehen wird?”

Die Älteste antwortete: “Ich werde deine Frage mit einem Paradox beantworten. Es ist unmöglich, dass eure Mission scheitert. Aber ihr Erfolg ist von euren eigenen Taten abhängig. Das Schicksal der Welt liegt in euren Händen. Der Schlüssel zu diesem Paradox liegt in euch, in eurem Gefühl, dass jede eurer Handlungen, selbst euer persönliches, einsames Ringen kosmische Bedeutung hat. Ihr werdet dann wissen, so wie ihr es jetzt wisst, dass alles, was ihr tut, zählt.”

Es gab keine weiteren Fragen mehr. Die Freiwilligen versammelten sich im Kreis, und der Schamane ging zu jedem einzelnen. Das letzte, was sie bewusst wahrnahmen, war der Schamane, der ihm oder ihr Rauch ins Gesicht blies. Sie fielen in eine tiefe Trance und träumten sich in die Welt, in der wir uns heute wiederfinden.